Zeitzeugen:Der Prof. und sein Phönix

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Von Werner Richter

In seiner 1200jährigen Geschichte versank unser Magdeburg zweimal in Schutt und Asche. Das war 1631 im Dreißigjährigen Krieg, und die zweite Verwüstung mussten wir zum Ende des Zweiten Weltkrieges im Januar 1945 erfahren.

Da ich im Sommer 1945 bereits sehr krank aus einem amerikanischen Internierungslager nach Hause entlassen wurde, konnte ich die Entrümpelung und die erste Aufbauphase meiner Heimatstadt hautnah miterleben. Viele deutsche Architekten beteiligten sich schon 1946 am Städteneuaufbau-Wettbewerb. Wie ein Phönix sollte sich unsere geschundene Stadt aus der Asche erheben. 1947 gab es die erste große Ausstellung "Magdeburg lebt" im Städtischen Museum, früher Kaiser-Friedrich-Museum.

Für die Ausstellung hatte Prof. Wilhelm Deffke, amtierender Direktor der Magdeburger Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in der Brandenburger Straße, die ich von 1938 bis 1940 auch besuchte hatte, ein Plakat entworfen. Auf diesem Poster ließ der Grafiker aus der Asche unserer verbrannten, verwüsteten Innenstadt den altägyptischen Sagenflattermann "Phönix" mit gewaltigen Schwingen zum Himmel aufsteigen.

Unsere Firma Schilder-Schulze an der Katharinenkirche, bei der ich seit Kurzem als Werbegrafiker tätig war, erhielt den tollen Auftrag, am damaligen Städt. Museum/Nordseite auf einer großen Holzwerbefläche von etwa 12m² diesen Entwurf vom Prof. zu übertragen.

Zeitzeugen - Der Prof und sein Phoenix.jpg

Unser Atelierchef Werner Köllmer hielt mich bestimmt für einen entwicklungsfähigen jungen Künstler, bei dem man schon etwas abverlangen kann, denn bei der Firma war ich ja noch ein ziemlicher "Frischling". Jedenfalls wollte er mit mir gemeinsam das "Ding schaukeln". Eine übertragbare Quadraturskizze hatten wir bereits im Atelier gefertigt. In zwei Tagen wollten wir fertig sein, das hatten wir uns vorgenommen.

Bereits am ersten Tag, an dem es uns auf unseren hohen Bockleitern ein wenig kühl und windig um die Nase wehte, waren wir schon so weit, dass man den Sagenvogel Phönix über den züngelnden Flammen bereits in Farbe erkennen konnte. Es mangelte nicht an neugierigen, mehr oder weniger kunstinteressierten Passanten, die uns bei der Arbeit zuschauten.

Ich hatte gerade dem Werner zugerufen: "Morgen kann der alte Deffke seinen Feuervogel angucken, ob wir's richtig gemacht haben." Ehe mein Partner reagieren konnte, kam von hinten eine Antwort aus dem Zuschauerpublikum. Der Prof. Deffke höchstpersönlich meinte wohlwollend lächelnd: "Der olle Deffke ist mit eurer Malkunst sehr zufrieden!" Sprach's und verschand.

Wir waren ganz schön erschrocken, aber glücklich und zufrieden zugleich.

Wir Leiterakrobaten fanden uns auf einem Foto mit Bildunterschrift in der Tageszeitung wieder, und von der Kunstgewerbeschule kamen postwendend die Honorartaler und ein Anerkennungsschreiben. Na bitte!

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