Gruson-Gewächshäuser

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Außenansicht der Gruson-Gewächshäuser von der Schönebecker Straße
Die Gruson-Gewächshäuser im Stadtteil Buckau beherbergen eine bedeutende städtische Pflanzensammlung, welche in zehn Schauhäusern am Klosterbergegarten untergebracht sind. Der Pflanzenbestand basiert auf der umfangreichen exotischen Pflanzensammlung des Magdeburger Industriellen Hermann Jacques Gruson, welcher im ausgehenden 19. Jahrhundert über die bedeutendste europäische Kakteensammlung verfügte. Er ließ die Sammlung nach seinem Tod der Stadt übergeben, welche mit finanzieller Hilfe der Familie Gruson die Gewächshäuser im Klosterbergegarten errichtete und 1896 eröffnete. Nach umfangreichen Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und daraus resultierenden Verlusten wurden die Gewächshäuser sukzessive wieder aufgebaut und der Pflanzenbestand stark erweitert. Zum hundertjährigem Jubiläum 1996 verzeichneten die Schauhäuser einen Bestand von 350 Pflanzengattungen in 3000 Arten aus aller Welt. Die Pflanzen sind überwiegend in tropischen und subtropischen Gegenden beheimatet, neben Farnen, Bromelien und Palmen liegt der Schwerpunkt der Sammlung wie bereits bei Gruson auf Sukkulenten, insbesondere Kakteen. Die Gewächshäuser sind dem Artenschutz verpflichtet und kultivieren einige bedrohte Pflanzenarten. Mittlerweile liegt die Besucherzahl bei über 6 Millionen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Sammlung Hermann Grusons

Hermann August Jacques Gruson
Hermann August Jacques Gruson wurde am 13. März 1821 in Magdeburg geboren und erhielt hier ebenfalls seine Schulbildung. Nach Universitätsbesuch in Berlin und Ingenieurstätigkeit in verschiedenen Firmen kehrte er nach Magdeburg zurück und eröffnete 1855 eine Maschinenfabrik, Eisengießerei und Schiffswerft. Gruson verbesserte das Hartgussverfahren und ließ in seiner Fabrik Eisenbahnmaterial und Rüstungserzeugnisse aus Hartguss herstellen. Mit diesen Produkten war sein Unternehmen schnell erfolgreich und erlangte Weltruhm.
Echinocactus grusonii
Auf seinem Wohngrundstück in Buckau ließ Gruson zur systematischen Anlage seiner Pflanzensammlung ein Gewächshaus errichten, dem im Zuge der Sammlungsvergrößerung ständig weitere folgten. Die Sammlung umfasste anfangs Pflanzen aus dem Mittelmeerraum und Afrika, später ergänzt um Exemplare aus Amerika. Aufgrund Grusons speziellem Interesse an Sukkulenten und Kakteen finanzierte er eine Sammelreise des Gärtners Albert Theodor Mathsson nach Mexiko. Dieses Land ist nach wie vor bekannt für seine besondere Artenvielfalt an Kakteen. Gruson zu Ehren erhielt der Goldkugelkaktus den botanischen Namen Echinocactus grusonii, daneben gibt es weitere, nach ihm benannte Arten. In einem zeitgenössischem Stadtführer wird von Grusons Kakteen- und Sukkulentensammlung als der "reichhaltigsten und vornehmsten des Kontinents" berichtet. Mit Hermann Grusons Tod am 30. Januar 1895 umfasste seine Sammlung 15 Abteilungen in 11 Gewächshäusern.

[Bearbeiten] Übernahme der Sammlung durch die Stadt Magdeburg

Im Sinne seines Vaters stellte Grusons Sohn, Dr. Hermann Gruson, die Pflanzensammlung der Stadt unter gewissen Bedingungen zur Verfügung. Für den Bau neuer Gewächshäuser auf städtischem Boden stellte die Familie Gruson 100.000 Mark bereit. Nach Auswahl des Bauplatzes im damaligen Friedrich-Wilhelms-Garten stellte die Stadt weitere 100.000 Mark bereit, da der Aufwand für Bau und Umzug auf 200.000 Mark geschätzt wurde. Grusons Gärtnerlehrlinge und einige Gärtner, darunter Obergärtner und Kakteenspezialist Albert Theodor Mathsson, wurden von der Stadt übernommen. Am 12. April 1896 wurden die "Gruson Gewächs- und Palmenhäuser der Stadt Magdeburg" feierlich eröffnet. Neben Grusons Pflanzen waren auch verschiedene Fische, Amphibien und Reptilien zu besichtigen. Gemäß Grusons Bedingungen gab es eintrittsfreie Tage.

Victoria-regia-Haus
In den folgenden Jahrzehnten erneuerte die Stadt marode Anlagenteile und errichtete Erweiterungsbauten, darunter 1910 dass markante Victoria-regia-Haus. Pflanzenverluste ergaben sich u.a. bei den Orchideen zur Jahrhundertwende aufgrund unsachgemäßer Pflege sowie bei verschiedenen Arten im Ersten Weltkrieg aufgrund von Kohlenmangel. Die Inflationszeit um 1923 stellte eine existenzielle Bedrohung der Gruson-Gewächshäuser dar, im Magistrat wurde die Schließung der Anlagen diskutiert. Nach den Erweiterungen in den zwanziger und dreißiger Jahren zählte der Gewächshauskomplex 12 Schauhäuser. Das in Magdeburg vielfach umgesetzte Neue Bauen findet sich auch in den Gewächshäusern wieder, Grotten- und Felslandschaften aus der Ursprungszeit verschwinden, dafür werden flache Stellagen und rechtwinklige Wege angelegt, welche der Pflanzenpräsentation zu einer gewissen Sachlichkeit verhelfen. Der Baustil ist in den im Bauhausstil gehaltenen Orchideenhaus und großem Tropenhaus erhalten.

[Bearbeiten] Zerstörung und Neuaufbau

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Palmenhaus bei einem Luftangriff am 11. September 1944 zerstört. Ein Teil der evakuierten Pflanzen ging ebenfalls im Krieg verloren.

Nach Kriegsende begann der Neuaufbau, wobei die Ausgangsbedingungen - alle Gewächshäuser beschädigt, nur ein Drittel des Pflanzenbestandes erhalten geblieben - denkbar ungünstig waren. Durch tatkräftigen Einsatz der städtischen Gärtner und mit Unterstützung des sowjetischen Stadtkommandanten konnten die Aufräumarbeiten schnell beginnen. Bereits am 1. September 1945 konnte ein kleiner Teil der Anlage wieder begangen werden. Bis auf Palmenhaus und Eingangsbereich war die Beseitigung der Kriegsschäden 1958 abgeschlossen. 1950 wurden die Gruson-Gewächshäuser in "Städtische Gewächshäuser" umbenannt.

Nach 1960 folgte eine Umgestaltung des Gewächshauskomplexes. Der Wintergarten wurde neu gebaut, das große Tropenhaus und das Farnhaus baulich verändert. Später folgte die Errichtung des Palmenhauses unter maßgeblicher Beteiligung polnischer Bauarbeiter. Das neue Palmenhaus weist eine Fläche von 400 Quadratmetern auf und ist mit 16m höchstes Gebäude der Anlagen.

Blüte einer Agavenspezies
Unter Berücksichtigung neuer Erkenntnisse in der Kultivierung begann man, die Bestände auf den Tischen und Böden der Gewächshäuser auszupflanzen. Durch diese Maßnahme konnten sich viele Pflanzen besser entwickeln, eine auf 100 Jahre geschätzte Agave ferox blühte im Januar 1976. Die Blüte von Agaven stellt in jeder botanischen Sammlung einen besonderen Höhepunkt dar, da die Pflanzen einen außerordentlich hohen und attraktiven Blütenstand entwickeln, in den Gruson-Gewächshäusern manchmal sogar über das Hallendach hinaus. Des weiteren sterben Agaven nach der Blüte ab, was die wertvollen Altbestände in den Gewächshäusern seit den siebziger Jahren kontinuierlich reduziert.

Am 13. März 1991 erfolgte die Rückbenennung in "Gruson-Gewächshäuser". In den folgenden Jahren werden einige Gebäude des in den achtziger Jahren unter Denkmalschutz gesetzten Komplexes rekonstruiert. Eine Sanierung des Palmenhauses und die Wiederrichtung des historischen Eingangsbereichs zum Klosterbergegarten stehen 2008 noch aus.

[Bearbeiten] Begehbare Anlagenteile

[Bearbeiten] Öffnungszeiten

Die Gewächshäuser sind dienstags bis sonntags von 9.00 bis 17.00 Uhr geöffnet.

[Bearbeiten] Adresse

Gruson-Gewächshäuser Magdeburg
Schönebecker Straße 129a
39104 Magdeburg
Tel. 0391 4042910

[Bearbeiten] Literatur

100 Jahre Gruson-Gewächshäuser, Dr. Ballerstedt et. al., Landeshauptstadt Magdeburg, Kulturamt

[Bearbeiten] Weblinks

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